Samstag, 24. Mai 2014
Kein Tag ohne Äpfel und Ziegen! Kein Tag ohne Äpfel und Ziegen!
Hi und hallo, good hearts, ihr lieben, ihr frisch Erleuchteten, ob gestern, heute, oder in einem gewesenen dann.., das garantiert kommt! Mock -mock- Mock! _keine Zeit für Blog! Pflichterfüllung. Sagt das nicht alles? Also: Hier geht’s weiter mit Lucifers Field. Have Fun, good hearts, ihr lieben!
Don Stefan

Don Stefan war der erste, der sich sozusagen offiziell diesem kleinen Club des Seltsamen anschloss, was er mit stetigem Erscheinen an den von Don Pedro bevorzugten Plätzen zeigte.
Don Stefan war seinerseits bekannt als wortkarger, asketisch wirkender, hochgewachsener und leicht hinkender Mann (mit eindeutig großen Füssen), der aus seiner Abneigung, etwas über sich und sein Leben zu berichten, nie einen Hehl machte. Ein zutiefst ehrlicher, innen wie außen wahrhaft aufrechter, aber äußerst unbequemer Zeitgenosse, war Don Stefan; ein Mann dessen Direktheit und karge Ausdrucksweise leicht erschreckten und seinen Äußerungen die irritierende Tendenz verliehen, seinen Gesprächspartner im unklaren darüber zu lassen, ob er sich ernsthaft beleidigt, oder nur zurechtgewiesen fühlen sollten. "Ich hab wirklich keine Zeit für diesen ganzen höflichen Schnickschnack! Ich sag einfach nur, wie es ist!" war seine Standartphrase, wurde er, was selten genug geschah (denn niemand legte Wert darauf, sich mit Don Stefan anzulegen), auf die in ihrer äußeren Form schroff-grobe, wenn auch im streng inhaltlichen Sinne, einem aus Don Stefans Überzeugung höheren, erzieherischem Zweck folgende und immer sachlich korrekte Äußerung seiner Kritik angesprochen. Dass man hier auf der Insel vieles nicht so genau nahm, war in Don Stefans Betrachtungsweise ein durchaus charmantes Merkmal des hiesigen Volkscharakters, den er selbstverständlich entsprechend seiner äußerst liberalen Überzeugungen und in Anlehnung an die von ihm als der Glanz- und Höhepunkt aller politisch-sozialen Entwicklungen, von dem aus es mit der Menschheit nur noch abwärts ging, zutiefst verehrten, preußischen Traditionen, grundsätzlich achtete. Obwohl er sich redlich bemühte, spürte Don Stefan stets das gewisse Quäntchen zuviel, diese überdosierende Prise Laissez faire, welche ihn aufbrachte, ihn in eine Art emotionaler Zwangsbeteiligung brachte, die für ihn allein dadurch aufzulösen war, dass er an den alten Fritz und Voltaire, oder an Fredersdorf, den Kammerdiener des großen Königs und dessen Obsession für Wunderheilmittel denkend, einen Moment lächeln musste. Das kollektive Unbewusste dieser Insel hatte es in sich, es machte einen verliebt, war betörend, voller unbändiger Lebenskraft und duftender Sinnlichkeit, aber auch ebenso unzuverlässig und sprunghaft, wie die für Don Stefan dies alles verkörpernde Figur der Carmen, der bezaubernden und untreuen Zigeunerin.
So lebte dieser Mann sein Inselleben mit zwiegespaltenen Kräften, den großen Geist der Gemächlichkeit von Herzen bewundernd und ständig mit einer festen Hand an seinen Lippen die Schimpfkanonaden unterdrückend, die er dem nachlässigen Götzen sonst entgegengeplärrt hätte. In bemühter Höflichkeit gegen die hier regierende Kraft der Trägheit, der er seiner eigenen Einschätzung nach auch den schuldigen Respekt erwies, ging Don Stefan seiner Wege, was in der Realität jedoch wegen seiner Unfähigkeit, den praktischen Brückenschlag alltäglich gelebter Toleranz als Folge der Verinnerlichung freiheitlicher Grundwerte in sein Handeln umzusetzen, mehr eine Art selbsterteilter Absolution mittels eines ethischen Lippenbekenntnisses war, ein tendenziell abstrakter, theoretischer Akt der Ehrerbietung gegenüber den Gepflogenheiten einer anderen Kultur und deren Lebensweise, und das zum absolut nicht altruistischen Zweck der Erhaltung seiner speziellen Psychohygiene. Das Wort "mañana" zum Beispiel, dessen reale Bedeutung auf der Insel so ziemlich alles von "nachher" bis "in zwei Wochen" umfassen konnte, verursachte ihm, dem größten lebenden Fan Friedrichs des Großen, des Preußenkönigs, allergische Beschwerden. Don Stefans Meinung nach musste ihm doch jeder ansehen, dass er in persona kein gebürtiger Insulaner und deswegen sein Temperament auch anders getaktet war, er also nichts fragte, wenn er nichts wissen wollte, er logischerweise mit der ortsüblichen, ritualisierten und über jedes vernünftige Maß hinaus höflichen Art des Umganges miteinander, dieser für ihn entnervenden Aneinanderreihung sinnlos-leerer Worthülsen, einfach nichts anfangen konnte und wenn er also Antworten verlangte, er dies aus akuter Notwendigkeit und gutem Grund tat und diese Informationen also dann auch vor allem schneller, präziser und zuverlässiger sein müssten. „No dejes para mañana lo que puedes hacer hoy.”, lautete sein erster vollständiger Satz in der Inselsprache; und das mit gutem Grunde, denn er verspürte den unwiderstehlichen Drang, jedermann vom Missbrauch des an sich harmlosen Wortes "mañana" abzubringen, indem er ihm sagte: „Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.“; worauf er jedoch in nervenzerfetzender Regelmäßigkeit ein überaus freundliches Lächeln, wortreiches Lob für seine akzentfreie Aussprache und, es war nicht zu ändern, ein erneutes "mañana" erhielt.
Bis zum nächsten Mal (Grüße von Father's Father, Le Madre, Suzuki und den anderen...)!
LOVE! cozyP LOVE!

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Freitag, 23. Mai 2014
Von der Sichtbarwerdung von Äpfeln und Ziegen und vom Freischaltcode zum nett sein zu sich selbst.
Hi und hallo, good hearts, ihr lieben, ihr frisch Erleuchteten, ob gestern, heute, oder in einem gewesenen dann.., das garantiert kommt! Um es gleich zu sagen: Auch heute wieder kein nennenswerter Bericht vom Tage! - Nur soviel, dass ich weder Sport machte, noch übertrieben viel meiner Pflichterfüllung frönte. Stattdessen spielte ich. Ich spielte mit Maya, der kleinen Computerlady. Wir spielten Programmieren. Mit Ziegen und Äpfeln auch. Die Ergebnisse findet ihr auf www.g-cook.com, unserer Erleuchtungssite. Sonst gab es nichts Besonderes, außerhalb dessen, dass ich sehr gut auf mich achtete und es mir gut gehen ließ. Vieles ist entnervend und enttäuschend zugleich zu erleben, so dies, dass sich unsere Schrauber“Freunde“ (Freunde - naja) einfach nicht melden. Sicher, wir können erst später zahlen, aber... So ist es nun einmal und ich fürchte, wir haben es einmal mehr mit den bekannten Regeln zu tun. Schade. So radeln wir zum Einkaufen und fertig. Ach, ich habe so überhaupt keine Lust zum Plaudern, zum Tippen heute... Würde gerne weiter mit Maya spielen, aber sie kann nicht mehr, hängt sich dauernd auf, und ich habe auch Verständnis dafür; wie viel sind 10 Computerjahre heutzutage? Ich weiß es nicht, aber jedenfalls zu viele. Maya lässt nach, wenn viel Rechenleistung abgefordert wird, genau wie ich. Daran ändert auch meine Erleuchtung nichts; sie verhilft mir zu dem in diesem Falle doch zweifelhaften „Vergnügen“, wie und warum zu verstehen..., auch nicht schlecht.., oder? Ja, meine Lieben, das wird heute wieder nichts mit Idi Amins Kühlschrank und Auschwitz und der Vollkommenheit und so weiter..., ihr seid sicher ganz traurig! - Ihr mich auch! - Im Mondschein begegnen, was sonst? Eine Kleinigkeit, die ihr durch eure Hirnwindungen jagen könnt, wenn ihr Lust darauf habt: Wir alle sind immer schon erleuchtet. Wusstet ihr das, good hearts, ihr lieben? Es gibt nur eine Art „Freischaltcode“, so wie den in den leckeren Coke-Flaschen manchmal, den wir erst dann erhalten, wenn sicher ist, dass wir mit unserer Erleuchtung und den damit einher gehenden Siddhis und „normalen“ Fähigkeiten keinen allzu großen Mist bauen! Wieder so ein natürlicher Drehzahlbegrenzer! - Hallo Herr Heisenberg! Also: Seid brave Jungs und liebt stundenlanges Bauchmuskeltraining täglich dreimal und Hungergefühle und hasst Kohlehydrate und Anal und BDSM und liebt einen guten Italiener oder Franzosen und gute Gespräche und Romantik und liebt Cardiotraining und liebt noch mehr und begehrt exzessiven Cunillingus und eloquente Erklärungen von Nichtigkeiten..., und, da war doch noch was..., keine Ahnung, ich komme jetzt nicht drauf,... aber es heißt, wenn man das alles nicht nur so macht, sondern ist und lebt, wäre das ein guter Weg..., in die Klapsmühle der Angepassten! - Ob das zur Erleuchtung beiträgt, steht jedenfalls ganz und gar außer Zweifel! Schaut her, das Vollsülzen hat mir jetzt doch noch etwas Spaß gemacht.
Ich gebe euch heute ein wenig mehr von „Lucifers Field“ und es beginnt, wo es gestern endete (verdammt smart, was?):
Don Pedro

Der Mann mit den kleinen Füssen geht einkaufen. Er macht Sachen, die alle Leute machen. Der Mann kauft Kaffee. Er tritt einen Schritt vom Regal zurück, weil er dann besser sieht, was es da alles so gibt. "Arabica und kleine Füße, auf das steht meine heiße Süße!", singt er fröhlich in hispanisch-englischem Kauderwelsch und macht sich mit seiner Beute auf den Weg zur Kasse.
Die Leute mögen den Mann mit den kleinen Füssen. Immer ist er fröhlich, immer hat er Zeit für ein paar Worte, einen Scherz, oder Neuigkeiten aus der Nachbarschaft.
Der Mann mit den kleinen Füssen ist ein glücklicher Mann. Keiner würde ahnen, dass er einmal ein verbitterter, höchst zynischer und sogar gefährlicher Zeitgenosse gewesen sein könnte.
Heute kennt man ihn als "Don Pedro", oder einfach nur "Pete", je nachdem, wie nahe man ihm steht. Jeder hier kennt auch seine bezaubernde Frau, Senora dona Donna de Lazaro und in ihr einen Gutteil seines Glücklichseins. Sie ist die entflammte Leidenschaft eines hungrig die Nacht verdrängenden Morgens, alterslos schön und lebendiger Inbegriff all dessen, was seit jeher Männer verbrennen lässt wie trockenes Reisig; während ihr Gatte der Nacht gleicht, der Mitternachtsschwärze, welche, allem Glanz Halt gebend, still schweigend und majestätisch, ihre dominante Präsenz nicht allein ausstrahlt, sondern deren zentrale, hypnotische Kraft aus sich heraus ist.
In der Kirche, beim sonntäglichen Gebet, dem Don Pedro ernst und schweigend zu folgen pflegt, leuchtet sein Gesicht so klar wie ein heller Morgen. Doch hat ihn nie einer im Gottesdienst sprechen, die Gesänge begleiten, das Kreuzzeichen machen oder sein Knie beugen sehen.
Im Strahlen der dona Donna an seiner Seite, deren überfließende Lebensfreude, deren vitale Kraft und Lebendigkeit mehr als nur seine Stille ausgleicht, findet sich eine Quelle seines Friedens, als dessen andere man Gott vermutet, oder eine andere, jedenfalls heiligmäßige Kraft.
Man achtet ihn in seinen Eigenheiten und sogar der örtliche Pfarrer, dessen Kontakt zu Don Pedro sich auf einen Begrüßungsbesuch und ab dann auf die üblichen Höflichkeitsfloskeln und gegenseitiges Kopfnicken über die Straße hinweg beschränkte, weiß nur von großer Mildtätigkeit zu berichten, bezüglich deren genauem Umfang ihm dona Donna aber jedes Wort untersagte.
Der Mann mit den kleinen Füssen ist ein Freund der Strasse, ein meist lächelnder Beobachter, der im Hintergrund seiner neuen Heimat fast zu verschwinden scheint. Auf einer kleinen Mauer gegenüber der Plaza sitzend, oder links außen an seinem Terrassen-Tisch im Cafe Paradiso, mit baumelnden kleinen Füßen auf der terrakottafarbenen Einfassung des Brunnens gegenüber dem Lebensmittelladen, oder einfach umherschlendernd kann man ihm oft stundenlang beim Zusehen zusehen, seine Beobachtungen des Alltäglichen mit den Augen streichelnd, manchmal leicht schaukelnd, wie still tanzend, mit seinen Kopfbewegungen dem Rhythmus folgend, der Musik des Moments, gespeist von der Strasse selbst oder den Kopfhörern in seinen Ohren.
Neuerdings jedoch ist er nicht alleine, nicht mehr, denn sein Auftauchen brachte etwas in Bewegung, brachte bei einigen Menschen einen zuvor stillen Lebenshunger zu Tage, der wie es schien nur geschlummert, nur auf seinen Moment gewartet hatte. Bald nachdem man Don Pedro als Teil des alltäglichen Straßenbildes zu sehen gewohnt war, es mag ein Jahr nach seiner Ankunft vergangen sein, geschah es immer öfter, dass die Leute, speziell aber Herren reiferen Alters, beim Vorbeigehen das Gespräch mit ihm suchten. Man unterhielt sich, man lachte. Man nahm platz. Man schwieg gemeinsam, fand den Fluss des Gespräches wieder, verweilte und nickte sich beim Weggehen zu.
Bis zum nächsten Mal (Grüße von Father's Father, Le Madre, Suzuki und den anderen...)!
LOVE! cozyP LOVE!

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Donnerstag, 22. Mai 2014
Von Souveränen, sinnlosen Äpfeln und farblosen Ziegen!
Hi und hallo, good hearts, ihr lieben, ihr frisch Erleuchteten, ob gestern, heute, oder in einem gewesenen dann.., das garantiert kommt! Nach einem ebenso erfreulichen wie ereignisreichen Tag komme ich erst spät, in Wahrheit zu spät, zum bloggen. Besonders Bedeutsames gibt es, das Zeit und Aufmerksamkeit verdient; so werde ich all dies nachliefern, geliebte good hearts! Keine Sorge, mir geht es gut, besser sogar, als die letzten Tage! Ich mag jetzt nur keine Hektik mehr vom Zaum brechen oder wie auch immer... Ich entschloss mich dazu, euch heute als „Lesefutter“ einfach den Anfang, vorzulegen. Ich hoffe, ihr genießt die Fahrt:
Bis zum nächsten Mal (Grüße von Father's Father, Le Madre, Suzuki und den anderen...)!
LOVE! cozyP LOVE!

Lucifers Field
Ich bin der Erzähler. Ich bin Amigo Loco Corazon mit selbstgewähltem Namen (auf das Namensproblem werden wir später zu sprechen kommen, wie ich annehme, hat es doch etwas so Zwangsläufiges), und ich bin ein Mann; ein Mann, der in literarischer Hinsicht der einfachen Ansicht ist, dass man, um etwas zu erzählen, etwas zum erzählen haben muss.
Ich hätte da etwas; allerdings bin ich zugleich der, der nichts erzählen will, der sich gerne bitten lässt, auch und nicht zuletzt von sich selbst; bin ich der zu guten Teilen arrogante Sohn eines ebensolchen Halbgottes, der Sinn und Zweck lieber alleine finden möchte, ohne des Mediums der Erzählung zu bedürfen; und der es bevorzugen würde, nur Geld und Güter zu teilen, nicht aber die bange Frage nach Sinn oder Unsinn der Wirrnisse einer Lebensgeschichte, was weniger selbstsüchtigen Motiven entspringt, als einem ausgesprochenen Bedürfnis nach Privatsphäre.
In solchen Gedanken eine Straße am Waldrand entlanggehend zwang mich heute der Genuss fast einer ganzen Literflasche Pepsi Light dazu, vom Wege abzubiegen, um mich am Rande einer kleinen Waldschneise, wenige Schritte von der vielbefahrenen Straße nur entfernt, zufrieden ausatmend zu erleichtern. Ein banales Erlebnis ohne jeglichen erotischen Touch und gerade deswegen ein Anstoß zu einer Erinnerung der gleichen gefühllosen Art, die mindestens 32 Jahre zurückliegen mag.
Ein junger Mann, damals 15 oder 16 Jahre alt, erwartete das Herauskommen der Dorfgemeinschaft aus dem Sonntagsgottesdienst der katholischen Kirche mit offenem Hosenschlitz, sorgsam herausgeräumten Eiern (unverletzt alles, selbst die feine Haut am Hodensack, trotz Jeans-Reißverschluss und motorischer Unsicherheit als Folge heftigen Drogengenusses) und erigiertem Glied, dessen Spannung die üblichen und wie ich sehr hoffe auch heute noch allseits bekannten Mittel der Handstimulation erhielt. "Seht her, meinen durchschnittlichen Schwanz und meine Eier! Und seht her, wie ich euch alle anspritze, ihr Lumpenpack, ihr Bagage!" Wutverkrustete Wortklumpen dieser Art dachte sich der junge Mann damals, und dies empfindend blickte er ausdruckslos in Richtung der bigotten Mutter mitten unter dem herausströmenden und sich bei diesem Anblick konfus aufstockendem Kirchenvolk; sie ahnen es schon, dass ich aus der Erinnerung heraus spreche, also nennen wir es beim Namen: so dachte und empfand der junge Mann, der ich einmal war.
Dieses Andeuten, dies vorsichtige Antippen an die sesamhafte Tür der Erinnerungen, es mag dem geneigten Leser etwas anschaulicher machen, wieso mir der in Jahrzehnten fast zur zweiten Haut angewachsene Mantel des Schweigens um so vieles angenehmer wäre, als dieser schmerzhafte Striptease von Leib und Seele. Ja, angenehmer; angenehmer und bequemer, das wäre die weitere Bewahrung des Stillschweigens zweifellos, bestünde da nicht zugleich und alles dominierend die Notwendigkeit, es zu Ende zu bringen, existierte da nicht der zu einer unkontrollierbaren Stimme personifizierte Dämon der offenen Frage nach der Schuld, der den Erzähler zwingt, Erzähler zu sein, ihn in diese Rolle hineinpresst mit einer Gewalt, die weniger greifbarer Natur ist als körperliche Folter und doch in ihrem steten Anwurf dem Tropfen, mächtiger als Granitstein, in seiner alles zermürbenden Kraft ähnelt.
So ist dies hier das Eingeständnis des Niederganges aller inneren und äußeren Widerstände im Verlangen nach Schweigen, ist es das Finale, das Einnehmen der letzten Position, ist es wie das Zusammenrollen einer sterbenden Spinne, die jemand gelangweilt mit einem Feuerzeug traktiert; ist es der Akt der Kapitulation vor der eigenen Moral; doch herrscht zumindest im letztgenannten Punkt Unsicherheit. Zuviel Selbstlob liegt in diesem Terminus eigener Moral und zu wenig bedacht scheint die Möglichkeit einer Strafe. Eine Gesetzeswirkung als Folge zu großer Verletzungen der Vorstellungen des Allmächtigen wäre ebenso denkbar wie ein pathologischer Befund, die perfide Folge einer Krankheit, die sich am Ende als banale Stoffwechselstörung des Gehirns entpuppt.
Sei es drum. Sei es, wie es will. Wir werden es sehen; selbst wenn das Ergebnis sich als ein Nichts blanker Sinnlosigkeit entpuppt am Schluss, wenn das Ringen um Worte und die Mühen des Rekapitulierens sich als Torheit erweisend, am Ende den Erzähler mit stumpfen Augen und schwerem Atem erschöpft in einer Ecke kauernd zurücklassen.
So sei es, wenn dem so ist. Vorher aber ist Hoffnung, jene Hoffnung auf das glanzvoll alles erklärende Ende, die jedem zusteht, dem Toren wie dem Verderbten, dem Heiligen wie dem Sünder, dem Grossen wie dem Kleinen.

Ich bin ein Mann mit Schuhgröße 41 und demgemäss kleinen Füßen, der diese Eigenschaft, wie so vieles, erst spät zu schätzen lernte, bin eben der, dessen Weg des Lebens als Mensch wie ein Tuch, wie bestickte Seide ist, gefüllt mit unabsichtlich gesammelten Kräutern und mit als kostbar erkannten, winzig kleinen, blassfarbigen Blüten. Ich bin der, der sein Lebenstuch jetzt zusammenfaltet wie ein kleines Säckchen und alles darin auspresst und die Essenz aus dem allem, was sich im Laufe vieler Jahre darin ansammelte, für euch heraustropfen lässt. Ob es wohl süß oder bitter sein wird, weiß ich nicht zu sagen. Zu groß ist der Unterschied zwischen den Mühen und Gefahren der Reisen zu den vielen Sammelplätzen einer solchen Mixtur und dem, was am Ende eueren Geschmack reizen wird.
Der erste Tropfen sollte dem Tode gelten. Und es musste ein Tod gestorben werden, um dieses Leben zu beginnen, um dem Grundstein der Geschichte zu legen, die hier zu erzählen ist.


Ein Ort namens Lucifers Field ist zu nennen, ein geheimer Ort inmitten des alles gebärenden Schoßes der Mutter Nacht. Von einem Geschehen dort ist zu berichten, welches diesen Tod einleitete; ein Moment, in dem das Entscheidende geschah, als eine graue Seele Engelshaar berührte. Besagte Seele war nicht weiß noch schwarz, nicht alt noch jung, nicht lebend noch tot. Sie träumte einen Dämmerschlaf zwischen den Welten; ein Schattenreich des Unfühlbaren durchstreifte sie, weder Himmel noch Hölle zugehörig, frei von Schuld und Strafe und doch gleichermaßen frei von dem sonst jedem Wesen angeborenen Drange nach der Anbetung der Herrlichkeit Gottes und dem Streben ins Paradies. Sie war die Einzige ihrer Art und dem unergründlichen Ratschluss des Allmächtigen gefiel es, dass dies Wesen einem anderen, ebenso einzigartig und abstammend aus hohem Engelsgeschlecht, an dem Ort des ewigen Kampfes begegnete.
Lucifers Field ist der Ort der Begegnung, der Scheitelpunkt undenkbarer Pole von Sein und Vergehen, von Vergehen und Sein; der Ort, an dem die Armeen des Lichtträgers, des Satans, denen der getreuen Anbeter Gottes begegnen. Solange das Sein ist, wird dort dieser Kampf immer und immer aufs Neue ausgefochten. Nie wird er beendet sein. Engelsblut fließt, das die Universen befruchtet. So entsteht Leben. Es entsteht allein durch Schmerz.
Es gibt einen Hügel, eine Erhebung nahe dieses Schlachtfeldes, von dem aus das Mysterium der immer neuen Schöpfung in all seiner Pracht und Schrecklichkeit zu beobachten ist. Dort trafen die Engelsprinzessin und die graue Seele einander.
Dies war der Beginn von allem.
"Bist du ein Engel?", waren die ersten Worte der grauen Seele.
"Ja, und ich weiß es nicht, denn ich kenne nur Meinesgleichen, doch bin ich nicht wie Meinesgleichen. Goldblond bin ich, wie Engel Gold und blond sind; und zugleich bin ich schwarz und rot. Zwei Gesichter habe ich, zwei Seelen, zwei Körper, zwei Leben; sanftes Wasser und loderndes Feuer bin ich; all dies bin ich, während ich hier bei dir bin und ein Teil von mir in meinen Gemächern ruht", antwortete die Sternenprinzessin.
"Was aber bist du?", so fragte sie die graue Seele.
"Ich weiß es nicht. Vielleicht habe ich mich vergessen bei meinem endlosen Streifen durch die unendlichen Weiten. Ich sah viele Wesen wie dich, wie den Teil von dir, der mir jetzt begegnet, doch keines so schön, so vollkommen strahlend. Und keines konnte ich spüren, so wie ich jetzt deine Nähe fühle. Von keinem konnte ich die Stimme hören, wie jetzt dich. Darf ich dein Haar berühren? Ich möchte wissen, wie Engelshaar sich anfühlt."
Die Sternenprinzessin gestattete die Berührung und das für die graue Seele Unfassbare geschah, denn sie konnte das Engelshaar spüren; erstmals in ihrem Sein erfuhr die graue Seele das Wunder der Empfindung von Liebe; denn Engelshaar ist gewebt aus reinster Liebe und höchstem Licht. Die graue Seele erstrahlte in einem vielfarbigen Glanz, sie gewann die Gestalt eines Kriegers von edlem Wuchs und Augen so schwarz wie die dunkelsten Tiefen des Alls.
Die Sternenprinzessin aber, wie aus einem tiefen Schlaf erweckt durch diesen Anblick, sprach fiebrig: "Dich habe ich erwartet und wusste nicht, dass ich dich immer kannte."
Und so geschah es, dass der einzige Engel mit zwei Engelskörpern, den man die zweigesichtige Sternenprinzessin nannte, den vergessenen Krieger zum Gemahl nahm.
Engelsgeschlechter erschraken und empörten sich, doch segnete der Allmächtige diese Verbindung.
Der vergessene Krieger und Gemahl der Sternenprinzessin erlangte indes eine einzige Erinnerung, aus einer Zeit weit vor seinem Sein als graue Seele wieder und ihm wurde gewahr, dass einst, in einer fernen Vergangenheit, einmal ein großer Heerführer zu ihm trat, ein hochgewachsener Engel von unvergleichlichem Glanz. Er schwieg, sah nur lächelnd in die Augen des vergessenen Kriegers und legte seine Hand auf dessen linke Schulter. Dies war der Tag seiner Begegnung mit Lucifer, dem wahrhaftigen Erstgeborenen und Lichtträger Gottes. Mehr aber wurde ihm nicht offenbar.
Die zweigesichtige Sternenprinzessin und der vergessene Krieger siedelten sich am Rande des Lichtes an. Ihr Palast erstand an der äußeren Grenze der leuchtenden Herrlichkeit Gottes, wo sonst keine Engel Wohnung nehmen. Im Reich dieses neuen Geschlechtes war es ein opalenes, ein stets mildes Licht, das alles beschien; ein Himmel wie ein Regenbogen, geflochten aus feinen Adern der unterschiedlichen Leuchtkräfte überspannte es, erfüllt von unzähligen Kapillaren aus gleißenden Strahlen von Gottes Antlitz, dem sanfteren Leuchten der hohen ätherischen Sphären, der unendlichen Vielfalt der Farben der Universen, dem Pastell der in allem waltenden Schöpfungskräfte, bis zur stumpfen Schwärze der dunkelsten Tiefen der Schöpfung des Allmächtigen.
Weder die Sternenprinzessin, noch der vergessene Krieger verrichteten den offiziellen Gottesdienst. Das sonst allen Engeln gemeinsame Werk der öffentlichen Anbetung vollzogen sie nur ein Mal, anlässlich ihrer Vermählung und der Einholung des Segens des Höchsten. Ihre Liebe zu Gott war, im Gleichklang zu ihrem besonderen Wesen, von stiller und distanzierter Art. Sie lebten getreulich ihr Anders-Sein, und fanden ihr Glück in der gemeinsamen Entfaltung ihrer Wesenskerne, denen es nicht entsprach, den himmlischen Hierarchien anzugehören und dem höfischen Zeremoniell der Engel zu entsprechen.
Und sie zeugten eine Tochter, ein Engelskind, ausgestattet mit der leidenschaftlich-kriegerischen Macht des Vaters und dem hohen Blut der Mutter, geboren in zwei Körpern, von zwei Müttern, von einer Engelsperson.
Und es geschah, dass Gott die einst graue Seele vor sich rief. Ihr, nun inkarniert als der vergessene Krieger, wurde aufgetragen, den uralten Zwist zwischen der Inanspruchnahme des freien Willens als Geburtsrecht der so begabten Geschöpfe und dem Gehorsamsanspruchs des Höchsten, erstmals aufgeworfen durch Lucifers NON SERVIAM, die Weigerung des erst- und höchstgeborenen Engels zu dienen, durch ein neutrales Urteil zu entscheiden.
Als Lohn für das Eintauchen in eine jede Art des geschaffenen Seins, für das Erleben einer jeden Form der Geschöpfe Gottes und das Finden von Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit, für das damit einhergehende, abermalige Vergessen von allem, denn nur auf diese Weise und durch eigene Erfahrung sollte das Urteil sich bilden, winkte dem vergessenen Krieger die vollkommene Erinnerung an all sein Tun und Walten seit dem ersten Augenblick und ewiger Friede mit den Seinen.
Die zweigesichtige Sternenprinzessin, wissend um die Unendlichkeit dieser Reisen, um Gefahren und Leid, die ihrem Gatten sicher waren auf diesen beschwerlichen Wegen, sie gab zuerst widerwillig, dann sich selbst zurücknehmend, aus innerster Liebe, eingedenk des den vergessenen Krieger bedrückenden Fehlens der Ganzheit seines Seins, ihr Einverständnis.
Und so starb der vergessene Krieger; so musste er sterben und neu geboren sein als Urknall, als Strahlung, als Ausdehnung, als sich zusammenballende Materie, als Partikel der Gravitation, als heißglühendes Plasma; so nahm er jede Form und jedes Wesen, jedes Stadium des Geschaffenen an, immer neu sich vergessend mit jedem weiteren Eintritt ins Nichtsein, dann wieder ins Dasein gerufen und belebt, in neue Form gestampft und den nächsten Schritt des Fortganges der Schöpfung erlebend. Er war Stern und Planet, Feuer, Wasser, Wind und Stein und Sand, er war Pflanze und Tier. Und er wurde Mensch.
Nach Äonen der Wiedergeburten in der Unendlichkeit der Universen betrat er schließlich jenen Mikrokosmos, in welchem Gott und sein Widersacher das Tau um die Hinwendung des freien Willens ziehen; jenen unbedeutend-klein scheinenden Planeten Erde, bevölkert von aufrecht gehenden Raubaffen, deren Sprachfähigkeit und über den Instinkt hinaus gehendes Entscheidungsvermögen die Besonderheit ihrer Stellung als Günstlinge des Allmächtigen erweist. Dort sollte er seinen endgültig letzten Tod sterben, um alsbald im Himmel aufzuerstehen, die Gesamtheit der Erfahrungen seiner Reisen reflektierend sein Urteil zu sprechen und den Lohn zu empfangen.
Es war der Geist seiner Tochter, der, von Sehnsucht und Mitleid getrieben, mit Billigung der Mutter, der zweigesichtigen Sternenprinzessin, dem Vater folgend, sich herabschwang, ihn bei dessen letztem Schritt auf dieser Odyssee zu begleiten, der in einen menschlichen Körper trat, und sich vergaß. So ward dem vergessenen Krieger für die letzte und qualvollste aller Prüfungen eigenes Blut zur Gefährtin gegeben, stillschweigend von Gott gesegnet und unbeanstandet auch vom Widersacher.
Bis zum nächsten Mal (Grüße von Father's Father, Le Madre, Suzuki und den anderen...)!
LOVE! cozyP LOVE!

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