Sonntag, 29. Dezember 2013
ICH BIN DER ANTAGONIST EHRENHALBER ! KÜSST MEIN H-C!
fahfahrian, 20:11h
Ein ES betritt den Schauplatz. Gerne wäre ES ein rein und rollenkonform maskulin fühlender, bis ins letzte Gen archaisch sicheres ER, gerüttelt und nicht gerührt, nicht eingeschätzt, nicht in diese Rolle hinein behauptet, nicht notdürftig in der Peripherie der Gruppe MANN aufgenommen, weil anhand von Geschlechtsmerkmalen empirisch festgestellt und menschenmöglich festgelegt.
Jahrzehnte ES schreiten aus, geben sich beherzte Beine und spüren die Spannung des energischen Ausdrucks, der in Lichtgeschwindigkeit von den Fußsohlen bis ins Gesicht sprang, um Chrom und Neon zum Leuchten zu bringend die Formvollkommenheit und Entschiedenheit dieses Moments abzurunden.
ES grinst giftig, verzerrt die Züge, sieht sich selbst; zynisch, von oben herab und beschämt in einer Lächerlichkeit ohne Beobachter. ES blickt automatisch herunter, auf die unbeweglichen Beine, die Füße, die stehen geblieben sind.
ES registriert kalt Anhalten ohne Körpergefühl, nur ein Bild davon. Und davon nur ein Ausschnitt. Fuß-Shoot. Dazu eine ihrer selbst unsichere Emotion. Die der Angst, dem erschreckten Gesicht hinter einem Baum, mitten in der saftigsten Bilderbuchlandschaft Schottlands streckt die den Kopf hervor, versteckt sich, zeigt sich wieder, versteckt sich und immer so fort. Angstbremse. Stotterbremse.
ES Feigling steht längst, denn weitergehen heißt nie ankommen, das geglaubte Ich an dieser letzten Schranke verlieren und auch die Unkenntnis, ob etwas davon je wieder zu erlangen sein wird.
Nur ein Kind, ein Kind ICH kann bis zum Ende, bis zum Rand gehen. Alt verwandelt sich in unrealistisches Jung auf dem Weg dahin.
Was springen wird und wer dieses WAS ist, bleibt ES unklar.
Der Weg zu einer reinen Wahrheit ist risikoreich. Nur Partikel davon, nur einzelne Pixel sind zu erraten: Konsequente Inkonsequenz in Breitband und Slo-Mo, konsequente Konsequenz, geballt, schnell und schwarz formuliert. Vorher ein schmerzliches Erkennen in seiner endgültigen Form, festgeschrieben dadurch, dass es ausgesprochen, eingestanden und in die Matrix dieser Welt graviert wird; es wird sich nicht vermeiden lassen, Jahrzehnte Bestätigung und Wiederholung und Wiederholung und Bestätigung in dieser Zeugenaussage beim Namen zu nennen.
Die Wahrheit und nichts als das...
Und es wird die Rede davon sein, dass es nichts mehr zu lernen, nichts zu erkennen, kein neuer Wert zu entdecken und lediglich die ständige Wiederaufführung des stets gleichen Schmierentheaters hochglanzverpackter Primitivgründe in diversen, durchschaubar-gleichen Inszenierungen war, was dieses vorgebliche Leben ausmachte; nicht einmal lebendig genug war, eine einzige Prägung, einen mit Echtheit durchwirkten Punkt hervorzurufen.
King Salomon, Babe, du sagst es. Eitel und Haschen nach Wind...
Und phantastisch umsonst. Nullwertig voll. Immer kurz vor dem Platzen.
Diese Tat ist nicht planbar. Dieses Vorhaben kommt nicht. Es ist da, Teil des ständigen Gehirnkinos, plötzlich präsent in der Reihe tausend anderer unauffällig-alltäglicher Dinge, wie Kaffeetassen, Jeans oder Socken mit einem winzigen Loch und unentschiedener Zukunft zwischen noch-einmal-Tragen und sofort-in-den-Müll, so ist die sofortige Fälligkeit dieser Sache schlicht vorhanden, nur ein wenig blasser als Kaffee und Socken, schulterzuckend, wortlos und mit selbstverständlich-schon-immer-Gesichtsausdruck, unbeeindruckt von Unglaube, gleichgültig gegen das Nichtwahrhabenwollen des gekränkten Verstandes, geradlinig, frei von Sarkasmus und gleichzeitig in gewisser Weise armselig, wie ein Zen-Meister nach einer Zahnoperation. Leben tut weh.
Und selbst dieser Teil des Lebens braucht Worte, einen benennbaren Beginn. Man schreit nicht danach, ihm einen Namen zu geben, macht sich aber auch nicht einfach auf den Weg. Die erste Stelle wird ausgefüllt, das Formular im Kopf erhält eine Signatur, seinen eindeutigen Header, noch bevor man mit sich selbst einig ist, es auch wirklich zu tun. Sachen brauchen einen Namen so sehr, dass die Ungenannten die Ungenannten heißen und es das Unbeschreibliche in Wortform gibt. Also kommt der Titel doch, verleiht sich selbst, macht kehrt und bleibt fortan im Hintergrund. In zwei Buchstaben-Regenmänteln steht er frierend seine Zeit ab, lässt sich vervielfältigen, nimmt Deutungen seiner Wertigkeit hin und schaut nur ab und an über seine Schulter in Richtung des Betrachters. Das erwartete Unverständnis erhaltend bestätigt er sich selbst, übersetzt oberflächlich freundlich seine Kurzform in sicherer Gewissheit, dass es bei Small-Talk und 5 Minuten Halbwertzeit bleibt damit. h.c. = honoris causa = ehrenhalber. Ein kleines Exkrement bösartiger Höflichkeit in einem fremden Gehirn. Wir danken Mister Lesezwang.
h.c. Ehrenhalber. Ein Wunder, dass die Gates-Rechtschreibprüfung dieses Wort nicht beanstandet. Ehrenhalber klingt nach Scheiß-Pro und Fick-Bono,
zusammengepfercht in einer lustlos brennenden Müllpresse in grau und blau und Öl und Wasser und schwachem Rauch und kraftlosen Flammen auf der stumpf spiegelnden Haut einer müde schwappenden Flüssigkeit. Eine Zwangsumarmung von Ehre und nichts. Ohne Chance auf Bewährung. Erschreckend kostenlos und als ob man sich bereitmacht, den nackten Arsch mit einer Schicht grauweißem Puder
überzieht, ein Auge auf jede Backe malt und versucht quer zu grinsen. Einladend. Zu
nichts verpflichtend.
Eine einzige Wahrheit am Stück loszuwerden, ohne zwischendurch aufzutauchen und Luft zu holen, das hat zuletzt – sagen wir Joyce - geschafft. Es wird Zeit für eine Aktualisierung. Zeit zum Einatmen; tief und viel, denn es wird lange nichts mehr geben.
Ich habe gutes Wort für dich und ein Lächeln, das die Blutschranke im Gehirn mühelos passiert, schnell wie der Wind, sanft, flüchtig streichelnd und doch nicht nachlässig. Mit Worten ohne Stimme. Komm mit!
Gutes Wort und nicht ein und nicht zwei. Zahllos gutes Wort.
Den in einem weiten Schritt sein ganzes Ende erreichenden Gedanken kompromissloser Wahrheit an eine Geschichte zu verschwenden hieße den zwei Kindern in mir schon wieder Auslauf lassen. Als ob jemals dabei etwas herauskäme außer einer dilletantischen Schlägerei und Tränen und Bedauern und Versöhnung und neuem Streit. Keiner der beiden Jungs hat den Mut zum Schweben und viel zu viel Angst davor, mitten in der Grätsche, beim Fast-Spagat aufzuschlagen und die empfindlichen Eier zu prellen. Auch wenn sie es nicht gerne hören: Sie bringen es einfach nicht.
Und doch sind sie Teil des Geschehens, stehen an seinem Anfang wie Eckfähnchen
im feindlichen Spielfeld und winken mit zahnlosen Versprechungen, die von sich behaupten, besser ungesagt zu bleiben. Das sind ihre Geschenke; wie sie sagen, reine Zeitverschwendung für den, der weiter will. Goldene Bremsklötze, die keiner will.
So ist es heute nicht. Die Wahrheit hat Zeit für alles und Ignoranz gehört nicht zu ihren Tugenden. Sie ist nichts, hat nichts zu beschützen, nichts zu erreichen, nichts zu sagen, kennt keine Bedeutung, hat keine Fragen und vor allem kein Ziel.
Sie beobachtet, beobachtet ihre eigene Bewegung und das um sich herum; doch
ohne alle Ansprüche, ruhig, unvollständig, auch oberflächlich, schlampig und sehr
verständnislos. Weder analytisch noch gedankenlos schaut sie sich selbst auf ihrer
Reise zu, deren einziger Zweck etwas ist, wie vom einen Ende des Schwimmbeckens zum anderen zu tauchen, ohne dabei Luft zu holen, wobei das Ende ein verschmierter Punkt, eine Wahrscheinlichkeit, vielleicht ein Scherzartikel und möglicherweise sowieso reiner Schwachsinn ist.
Wenn also das Ziel unter Umständen vor dem Anfang, embryonal in sich selbst eingebettet liegt und nichts zu bewältigen ist, kann man die Füße freigeben. Die notwendigen Schritte erlauben. Kommando GO.
Es geschieht ein Wandel, denn Gehen spürt man jetzt. Es ist ein Gefühl wie aufkommende Ohnmacht, eine grellweiße Bewusstlosigkeit, die alle vorhergehenden Eindrücke löscht. Amnesie.
Dann unvermittelt zwischen den Eckfahnen zu schweben und sie beide umarmend das Grün des Spielfeldes als eine zusammengeknickte Fläche, wie ein „V", einen Papierflieger aus Fotopapier wahrzunehmen, überrascht nicht. Zwei Hölzer unter den Armen humpelt die Wahrheit weiter und die Rolltreppe der Glaubensartikel an eigene Behinderungen öffnet ihr allzeit-bereites Maul, das nicht auf rasende Krücken eingestellt ist und daher heute leer bleibt. „Looser-Looser! Deine Mutter hat schon gesagt..." nachzuschreien, ist eine armselige Option, denn die Wahrheit war schon immer kein Stück zuversichtlich und versteht auch jetzt das Gegenteil davon ebenso wenig.
Zum Selbstzweck nach Honolulu. Ein schönes Statement, nur gleichgültig ausgesprochen. Nachrichten-Ton.
Die Wahrheit denkt sich ihren Teil. Wenn der Raum sich zusammenfaltet wie dieses
Fußballfeld, kann dieser Wahrnehmungssprung mit der gleichen Chance zu einem
Auftauchen in Honolulu wie sonst wo führen. Rein physikalisch gedacht. Honolulu gleich besser als irgendwas? Das widerspricht der „Ist-mir-alles-egal-Regel", die sich aber selbst widerspricht und daher aufhebt. Null bleibt null. Groß oder klein geschrieben Null. So oder so. Oder so: 0.
Honolulu gleich cooles Wort und schwingender Bauch. Hula-Hula-Assoziationen
durchaus angenehmer Art. Aha! Leuchtende Farben, nicht zu grell. Lächelnde
Frauengesichter. Blumenkränze umhängen. Exotisch. Lachende Männer. Dicke
Männer. Fettbacken. Sympathische Fresser. Oder genbehindert. Zur Fettleibigkeit
verurteilt Kraft der Ahnen-Chromosomen. Doppelte Portion Hula-Hula.
Krücken braucht da keiner. Vielleicht aber einen Häuptlingsstock, für den Typen, der das Sagen hat. Einen zum Verschenken. Mit Schnitzereien. Maori-Gesichter am Griff und Affen, die es wie wild treiben, über das ganze Holz verteilt, bis zur Spitze herunter, bis zur Nille. Eine „Penis Glans", hart wie Diamant und zarter als feinstes Nappa, darauf lehnt sich der fette Ober-Hoschi und verkündet, was Sache ist. Alle sind zufrieden, verstehen und lachen und wissen, der Mann hat es wirklich drauf.
Das Vorhaben schenkt ihm den Stock, als es rückwärts treibt, sich diese Szene als ein kleiner Ausriss, ein beigegrundiges Fenster in einer Web-Site, ein stehen
gebliebenes Video entpuppt. Einmal winken noch mit dem eigenen Teil des
Häuptlingsstocks, dann heißt es zusehen und sich langweilen, während das Bild von
der Insel unendlich langsam kleiner und kleiner wird.
„Hhoop! Hhoop!" Etwas Unterhaltung dann doch. Massai-Gesang von links und
rechts. In einwandfreiem Stereo und sehr ethnisch. Sich selbst zu beobachten,
während man sich langweilt, ist eine langweilige Sache, die durch noch so schönen
rhythmischen Sprechgesang kaum aufgewertet wird.
Jetzt ein Handy-Spiel? Das Vorhaben kennt dieses Wort und weiß gleichzeitig, dass
sein Sender, diese Kohlenstoffverbindung „Homo Sapiens" Peter kein Handy besitzt
und nicht die geringste Ambition hat, diesen Zustand zu ändern. Sind das jetzt
bereits die ersten Zweifel? Zweifel an der Mission des Selbstzwecks? Kryptische
Informationen, deren Analyse beweist, dass ein vollständiger und freier Gedanke
einfach zu viel für die menschliche Natur ist und alles dann doch im Handy-Format
endet, ob man eins hat oder nicht?
Der Häuptling, auf den seine Hoffnungen zu setzten schon immer vernünftig war,
durchbricht die Bildschirm-Oberfläche mit nur einer Hand. Mit der anderen stützt er
sich immer noch auf den Pimmel-Stock und schaut unbelebt und gütig drein. Sehr
ökonomisch auch, wie er sich auf das Wesentliche beschränkt. Die eine,
herausschauende Hand schwenkt etwas kleines mit einer Antenne. Nur
streichholzkopfgroß, aber eindeutig ein Handy. Ist schon ok. War doch klar, dass er
eins hat. Muss doch mit dem Tourist-Office reden und die Touren absprechen, das
ganze Hula-Hula und alles. In Ordnung.
Doch nicht. Der wirft das Ding rüber und zieht seine Hand zurück. Standbild. Closed.
Gabe und Gegengabe? Stock gegen Handy?
Das Vorhaben schluckt politisch korrekt und dankend. Wenn der Mittelpunkt der
Tonsur in gerader Linie zum Geber steht, er also den Glatzenansatz mühelos
erkennen kann, ist die Verneigung tief genug.
„Hhoop! Hhoop!", das bringt die Massai zum Toben.
GEHEN SIE JETZT NACH HAUSE! - DIE HIMBEEREN WARTEN!
Jahrzehnte ES schreiten aus, geben sich beherzte Beine und spüren die Spannung des energischen Ausdrucks, der in Lichtgeschwindigkeit von den Fußsohlen bis ins Gesicht sprang, um Chrom und Neon zum Leuchten zu bringend die Formvollkommenheit und Entschiedenheit dieses Moments abzurunden.
ES grinst giftig, verzerrt die Züge, sieht sich selbst; zynisch, von oben herab und beschämt in einer Lächerlichkeit ohne Beobachter. ES blickt automatisch herunter, auf die unbeweglichen Beine, die Füße, die stehen geblieben sind.
ES registriert kalt Anhalten ohne Körpergefühl, nur ein Bild davon. Und davon nur ein Ausschnitt. Fuß-Shoot. Dazu eine ihrer selbst unsichere Emotion. Die der Angst, dem erschreckten Gesicht hinter einem Baum, mitten in der saftigsten Bilderbuchlandschaft Schottlands streckt die den Kopf hervor, versteckt sich, zeigt sich wieder, versteckt sich und immer so fort. Angstbremse. Stotterbremse.
ES Feigling steht längst, denn weitergehen heißt nie ankommen, das geglaubte Ich an dieser letzten Schranke verlieren und auch die Unkenntnis, ob etwas davon je wieder zu erlangen sein wird.
Nur ein Kind, ein Kind ICH kann bis zum Ende, bis zum Rand gehen. Alt verwandelt sich in unrealistisches Jung auf dem Weg dahin.
Was springen wird und wer dieses WAS ist, bleibt ES unklar.
Der Weg zu einer reinen Wahrheit ist risikoreich. Nur Partikel davon, nur einzelne Pixel sind zu erraten: Konsequente Inkonsequenz in Breitband und Slo-Mo, konsequente Konsequenz, geballt, schnell und schwarz formuliert. Vorher ein schmerzliches Erkennen in seiner endgültigen Form, festgeschrieben dadurch, dass es ausgesprochen, eingestanden und in die Matrix dieser Welt graviert wird; es wird sich nicht vermeiden lassen, Jahrzehnte Bestätigung und Wiederholung und Wiederholung und Bestätigung in dieser Zeugenaussage beim Namen zu nennen.
Die Wahrheit und nichts als das...
Und es wird die Rede davon sein, dass es nichts mehr zu lernen, nichts zu erkennen, kein neuer Wert zu entdecken und lediglich die ständige Wiederaufführung des stets gleichen Schmierentheaters hochglanzverpackter Primitivgründe in diversen, durchschaubar-gleichen Inszenierungen war, was dieses vorgebliche Leben ausmachte; nicht einmal lebendig genug war, eine einzige Prägung, einen mit Echtheit durchwirkten Punkt hervorzurufen.
King Salomon, Babe, du sagst es. Eitel und Haschen nach Wind...
Und phantastisch umsonst. Nullwertig voll. Immer kurz vor dem Platzen.
Diese Tat ist nicht planbar. Dieses Vorhaben kommt nicht. Es ist da, Teil des ständigen Gehirnkinos, plötzlich präsent in der Reihe tausend anderer unauffällig-alltäglicher Dinge, wie Kaffeetassen, Jeans oder Socken mit einem winzigen Loch und unentschiedener Zukunft zwischen noch-einmal-Tragen und sofort-in-den-Müll, so ist die sofortige Fälligkeit dieser Sache schlicht vorhanden, nur ein wenig blasser als Kaffee und Socken, schulterzuckend, wortlos und mit selbstverständlich-schon-immer-Gesichtsausdruck, unbeeindruckt von Unglaube, gleichgültig gegen das Nichtwahrhabenwollen des gekränkten Verstandes, geradlinig, frei von Sarkasmus und gleichzeitig in gewisser Weise armselig, wie ein Zen-Meister nach einer Zahnoperation. Leben tut weh.
Und selbst dieser Teil des Lebens braucht Worte, einen benennbaren Beginn. Man schreit nicht danach, ihm einen Namen zu geben, macht sich aber auch nicht einfach auf den Weg. Die erste Stelle wird ausgefüllt, das Formular im Kopf erhält eine Signatur, seinen eindeutigen Header, noch bevor man mit sich selbst einig ist, es auch wirklich zu tun. Sachen brauchen einen Namen so sehr, dass die Ungenannten die Ungenannten heißen und es das Unbeschreibliche in Wortform gibt. Also kommt der Titel doch, verleiht sich selbst, macht kehrt und bleibt fortan im Hintergrund. In zwei Buchstaben-Regenmänteln steht er frierend seine Zeit ab, lässt sich vervielfältigen, nimmt Deutungen seiner Wertigkeit hin und schaut nur ab und an über seine Schulter in Richtung des Betrachters. Das erwartete Unverständnis erhaltend bestätigt er sich selbst, übersetzt oberflächlich freundlich seine Kurzform in sicherer Gewissheit, dass es bei Small-Talk und 5 Minuten Halbwertzeit bleibt damit. h.c. = honoris causa = ehrenhalber. Ein kleines Exkrement bösartiger Höflichkeit in einem fremden Gehirn. Wir danken Mister Lesezwang.
h.c. Ehrenhalber. Ein Wunder, dass die Gates-Rechtschreibprüfung dieses Wort nicht beanstandet. Ehrenhalber klingt nach Scheiß-Pro und Fick-Bono,
zusammengepfercht in einer lustlos brennenden Müllpresse in grau und blau und Öl und Wasser und schwachem Rauch und kraftlosen Flammen auf der stumpf spiegelnden Haut einer müde schwappenden Flüssigkeit. Eine Zwangsumarmung von Ehre und nichts. Ohne Chance auf Bewährung. Erschreckend kostenlos und als ob man sich bereitmacht, den nackten Arsch mit einer Schicht grauweißem Puder
überzieht, ein Auge auf jede Backe malt und versucht quer zu grinsen. Einladend. Zu
nichts verpflichtend.
Eine einzige Wahrheit am Stück loszuwerden, ohne zwischendurch aufzutauchen und Luft zu holen, das hat zuletzt – sagen wir Joyce - geschafft. Es wird Zeit für eine Aktualisierung. Zeit zum Einatmen; tief und viel, denn es wird lange nichts mehr geben.
Ich habe gutes Wort für dich und ein Lächeln, das die Blutschranke im Gehirn mühelos passiert, schnell wie der Wind, sanft, flüchtig streichelnd und doch nicht nachlässig. Mit Worten ohne Stimme. Komm mit!
Gutes Wort und nicht ein und nicht zwei. Zahllos gutes Wort.
Den in einem weiten Schritt sein ganzes Ende erreichenden Gedanken kompromissloser Wahrheit an eine Geschichte zu verschwenden hieße den zwei Kindern in mir schon wieder Auslauf lassen. Als ob jemals dabei etwas herauskäme außer einer dilletantischen Schlägerei und Tränen und Bedauern und Versöhnung und neuem Streit. Keiner der beiden Jungs hat den Mut zum Schweben und viel zu viel Angst davor, mitten in der Grätsche, beim Fast-Spagat aufzuschlagen und die empfindlichen Eier zu prellen. Auch wenn sie es nicht gerne hören: Sie bringen es einfach nicht.
Und doch sind sie Teil des Geschehens, stehen an seinem Anfang wie Eckfähnchen
im feindlichen Spielfeld und winken mit zahnlosen Versprechungen, die von sich behaupten, besser ungesagt zu bleiben. Das sind ihre Geschenke; wie sie sagen, reine Zeitverschwendung für den, der weiter will. Goldene Bremsklötze, die keiner will.
So ist es heute nicht. Die Wahrheit hat Zeit für alles und Ignoranz gehört nicht zu ihren Tugenden. Sie ist nichts, hat nichts zu beschützen, nichts zu erreichen, nichts zu sagen, kennt keine Bedeutung, hat keine Fragen und vor allem kein Ziel.
Sie beobachtet, beobachtet ihre eigene Bewegung und das um sich herum; doch
ohne alle Ansprüche, ruhig, unvollständig, auch oberflächlich, schlampig und sehr
verständnislos. Weder analytisch noch gedankenlos schaut sie sich selbst auf ihrer
Reise zu, deren einziger Zweck etwas ist, wie vom einen Ende des Schwimmbeckens zum anderen zu tauchen, ohne dabei Luft zu holen, wobei das Ende ein verschmierter Punkt, eine Wahrscheinlichkeit, vielleicht ein Scherzartikel und möglicherweise sowieso reiner Schwachsinn ist.
Wenn also das Ziel unter Umständen vor dem Anfang, embryonal in sich selbst eingebettet liegt und nichts zu bewältigen ist, kann man die Füße freigeben. Die notwendigen Schritte erlauben. Kommando GO.
Es geschieht ein Wandel, denn Gehen spürt man jetzt. Es ist ein Gefühl wie aufkommende Ohnmacht, eine grellweiße Bewusstlosigkeit, die alle vorhergehenden Eindrücke löscht. Amnesie.
Dann unvermittelt zwischen den Eckfahnen zu schweben und sie beide umarmend das Grün des Spielfeldes als eine zusammengeknickte Fläche, wie ein „V", einen Papierflieger aus Fotopapier wahrzunehmen, überrascht nicht. Zwei Hölzer unter den Armen humpelt die Wahrheit weiter und die Rolltreppe der Glaubensartikel an eigene Behinderungen öffnet ihr allzeit-bereites Maul, das nicht auf rasende Krücken eingestellt ist und daher heute leer bleibt. „Looser-Looser! Deine Mutter hat schon gesagt..." nachzuschreien, ist eine armselige Option, denn die Wahrheit war schon immer kein Stück zuversichtlich und versteht auch jetzt das Gegenteil davon ebenso wenig.
Zum Selbstzweck nach Honolulu. Ein schönes Statement, nur gleichgültig ausgesprochen. Nachrichten-Ton.
Die Wahrheit denkt sich ihren Teil. Wenn der Raum sich zusammenfaltet wie dieses
Fußballfeld, kann dieser Wahrnehmungssprung mit der gleichen Chance zu einem
Auftauchen in Honolulu wie sonst wo führen. Rein physikalisch gedacht. Honolulu gleich besser als irgendwas? Das widerspricht der „Ist-mir-alles-egal-Regel", die sich aber selbst widerspricht und daher aufhebt. Null bleibt null. Groß oder klein geschrieben Null. So oder so. Oder so: 0.
Honolulu gleich cooles Wort und schwingender Bauch. Hula-Hula-Assoziationen
durchaus angenehmer Art. Aha! Leuchtende Farben, nicht zu grell. Lächelnde
Frauengesichter. Blumenkränze umhängen. Exotisch. Lachende Männer. Dicke
Männer. Fettbacken. Sympathische Fresser. Oder genbehindert. Zur Fettleibigkeit
verurteilt Kraft der Ahnen-Chromosomen. Doppelte Portion Hula-Hula.
Krücken braucht da keiner. Vielleicht aber einen Häuptlingsstock, für den Typen, der das Sagen hat. Einen zum Verschenken. Mit Schnitzereien. Maori-Gesichter am Griff und Affen, die es wie wild treiben, über das ganze Holz verteilt, bis zur Spitze herunter, bis zur Nille. Eine „Penis Glans", hart wie Diamant und zarter als feinstes Nappa, darauf lehnt sich der fette Ober-Hoschi und verkündet, was Sache ist. Alle sind zufrieden, verstehen und lachen und wissen, der Mann hat es wirklich drauf.
Das Vorhaben schenkt ihm den Stock, als es rückwärts treibt, sich diese Szene als ein kleiner Ausriss, ein beigegrundiges Fenster in einer Web-Site, ein stehen
gebliebenes Video entpuppt. Einmal winken noch mit dem eigenen Teil des
Häuptlingsstocks, dann heißt es zusehen und sich langweilen, während das Bild von
der Insel unendlich langsam kleiner und kleiner wird.
„Hhoop! Hhoop!" Etwas Unterhaltung dann doch. Massai-Gesang von links und
rechts. In einwandfreiem Stereo und sehr ethnisch. Sich selbst zu beobachten,
während man sich langweilt, ist eine langweilige Sache, die durch noch so schönen
rhythmischen Sprechgesang kaum aufgewertet wird.
Jetzt ein Handy-Spiel? Das Vorhaben kennt dieses Wort und weiß gleichzeitig, dass
sein Sender, diese Kohlenstoffverbindung „Homo Sapiens" Peter kein Handy besitzt
und nicht die geringste Ambition hat, diesen Zustand zu ändern. Sind das jetzt
bereits die ersten Zweifel? Zweifel an der Mission des Selbstzwecks? Kryptische
Informationen, deren Analyse beweist, dass ein vollständiger und freier Gedanke
einfach zu viel für die menschliche Natur ist und alles dann doch im Handy-Format
endet, ob man eins hat oder nicht?
Der Häuptling, auf den seine Hoffnungen zu setzten schon immer vernünftig war,
durchbricht die Bildschirm-Oberfläche mit nur einer Hand. Mit der anderen stützt er
sich immer noch auf den Pimmel-Stock und schaut unbelebt und gütig drein. Sehr
ökonomisch auch, wie er sich auf das Wesentliche beschränkt. Die eine,
herausschauende Hand schwenkt etwas kleines mit einer Antenne. Nur
streichholzkopfgroß, aber eindeutig ein Handy. Ist schon ok. War doch klar, dass er
eins hat. Muss doch mit dem Tourist-Office reden und die Touren absprechen, das
ganze Hula-Hula und alles. In Ordnung.
Doch nicht. Der wirft das Ding rüber und zieht seine Hand zurück. Standbild. Closed.
Gabe und Gegengabe? Stock gegen Handy?
Das Vorhaben schluckt politisch korrekt und dankend. Wenn der Mittelpunkt der
Tonsur in gerader Linie zum Geber steht, er also den Glatzenansatz mühelos
erkennen kann, ist die Verneigung tief genug.
„Hhoop! Hhoop!", das bringt die Massai zum Toben.
GEHEN SIE JETZT NACH HAUSE! - DIE HIMBEEREN WARTEN!