Donnerstag, 6. Februar 2014
Ein Finger, der nach Erde und gerinnendem Blut riecht, legt sich auf meine Lippen.
„Hallo Fah, ich bin ND.“

Eine weibliche Stimme und kein Ort. Oder pures Weiss, wenn das ein Ort ist, in dem ich sein kann ohne Körper.

„Willst du mich nicht begrüssen?“

„Hi.“

„Du fragst nichts.“

„Ich weiss nicht was.“

„Fah gehen die Fragen aus?“

Ihr Lachen war jugendlich und erfahren, Stimme und Tonalität erinnerten mich an Irrenland; an eine Frau aus den Reihen der Befreiungsorganisation, die mich einmal gemassregelt hatte, als ich verschlief und zu spät zum Frühstück kam. Soviel Arbeit, Anständigkeit und Ehrlichkeit schwangen mit. Die irrische Lady hätte mir damals nicht unbedingt eins mit dem Geschirrhandtuch verpassen müssen, nun, es war eigentlich kein Schlag, kein Hieb, sondern etwas Aufmunterndes. Mehr aufrüttelnd.
Stille Menschen um mich, mit so lebendigen und tiefen Augen. Stille Stimmen, die für mich DIE Sicherheit ausstrahlten, die mir sagte, dass es kein Aufgeben gibt. Niemals.
Gute Stimmen, die die Resonanz von Herzen in diese Welt brachten.
Ein Finger, der nach Erde und gerinnendem Blut riecht, legt sich auf meine Lippen.

„Lass dieses tote Blut los.“


„Deine Bilder sind nicht sehr schön.“

„Es sind Meine.“

„ Könnte das damit zusammenhängen, dass du von richtig gutem Sex nicht soviel verstehst?“

„Hey, Zitadore, du bis ein Mönch. Du siehst so aus..“

„Deswegen war ich bestimmt schon immer Asket, oder? Ausserdem: Wer sagt dir, dass ich nicht vögle, was das Zeug hält, weil gerade das meine Religion von mir verlangt? Leute, was meint ihr, warum probiert Fah nicht sein Zepter aus? ND wäre eine gute Idee.“

„Andy?“

„Du liebst diese Scheisse wirklich, deine Sprachspielchen, oder?“ Aleisters Augenbrauen führten Wellenbewegungen aus, die einem Staubsauger – Verkäufer alle Ehre gemacht hätten. „Grosses ‚N’ und grosses ‚D’.“

„ND?“

„Genau, ND! Und jetzt pack dein Zepter aus!“

Ich popele am Plastik, diesem Zellophan herum. Unmöglich, wie immer bei CD’s und tausenden anderer Sachen, die ich schon fast in die Ecke geschmissen hätte, weil ich das mistige Zeug nicht herunter bekam.

„Langsam. Von oben nach unten.“, ermuntert mich der Dalai. „Die Schleife zuerst. Das hier ist kein Kettensägern – Massaker, sondern das Auspacken eines ganz besonderen und wunderbaren Geschenkes.“

So zurechtgewiesen sehe ich mir zuerst die Schleife an. Sie hat das tiefe Rot, das etwas Schwarz enthält. Bottiche im Schlachthof und Rosenbüsche kommen mir in den Sinn.
Vorsichtig fasse ich ein Ende der Schleife.

„Nun scheisst sich Fah gleich in die Hosen!“ Die Drei lachen.

Ja, ich gehe mehr als sorgsam zu Werk. Irgendwie haben die Recht. Entweder Bulldozer oder schüchterner Schmetterling.
Mit vorsichtiger Kraft ziehe ich an.

„Lass dieses tote Blut los.“