Dienstag, 11. Februar 2014
Un[wahr]scheinliches
Es gibt das geflügelte Wort, den eigenen Augen nicht zu trauen,
angewandt meistens dann, wenn irgendetwas unerwartet-Unwahrscheinliches
geschieht .
Es gibt die reale Erfahrung, seinem eigenen Verstand nicht zu trauen,
in der Einschätzung von Geschehen in dieser Welt.
Das ist, als ob man neuen, oder unbekannten Dimensionen begegnet.
Es fühlt sich fremd, stabil, irgendwie "massiv" an.
Vielleicht ist es deshalb so beängstigend.
Und unglaublich haltbar, ausgestattet mit einer Art Qualitätsstandart,
den wir uns beim Verliebtstein, bei Vorfreude, Geilheit, bei Orgasmen
sicher alle wünschen würden.
In diesen, den wünschenswerten Fällen, scheint das Controlling nicht
ganz so gut zu funktionieren.
Oder stumpfen wir als Menschen einfach nur gegenüber dem Schönen ab? -
Ist das Teil dieser "Schablone" kollektiver Vergreisung, die mit dem
ersten Atemzug beginnt?
Als Kleinkind, das das Regelwerk der menschlichen Gesellschaft nur
gefühlsmässig erfasst, systematisch missbraucht und gequält zu werden,
hinterlässt ein Brandmal dieser Art.
Eine nie innerhalb dieser Lebensspanne wirklich ausheilende Wunde,
ausgefranst und immer etwas entzündet, geschwollen und mehr oder
weniger empfindlich, manchmal eiternd und pochend, die ganze
Aufmerksamkeit von der akutellen Aussenwelt auf sich focussierend,
zu Zeiten wieder fast unmerklich im Hintergrund des Erlebens nur
ziehend, leicht schmerzend, eine Art Hintergrundstrahlung des
Universums der persönlichen Realität, eine der wenigen Grundfarben
der Wahrnehmung dieser Welt ausstrahlend, doch immer hochsensibel,
und, einmal versehentlich auch nur leicht berührt, alles aufüllend
und unbeschränkt vom Thron der Qual aus regierend.
Therapie, Drogen oder all die Mischformen von Wissenschaft und
Glauben, alles, was dazu angetan, als wirksam angepriesen wird, diese
innere Konstante der Wahrheit des fundamentalen Bruches mit sich
selbst zu leugnen, ob empirisch oder esoterisch genannt, entpuppen
sich bei der leisesten Berührung der Wunde als allenfalls dünne
Pflaster und dilletantische Verbände der Hilflosigkeit.
Die Realität machtmissbrauchender Gestalten in Menschenkörpern
begleitet das Heranwachsen. Graduell, nach Zufallsgeneratoren oder
Glück und Unglück zu nennenden Mechanismen der Verteilung, für
die man meinen könnte Diesen oder Jenen in Person, Gruppen oder
Umstände und Entwicklungen auch gewollter Art verantwortlich machen
zu können, oder des begrifflich zu fixierenden Nichts, das in
totaler Unzugänglichkeit alle Nicht-Regeln in sich trägt durch seine
Nicht-Wirkungen alles durch Nicht-Steuerung tyrannisiert, - es ist
je nach Definition die zweite Komponente der Erlernens dieser Welt.
Die erste und offenbare besteht in den Absichtserklärungen, den
Konventionen und Verhaltensmassregeln, die man stetig erklärt,
in Schulen und Elternhäusern zu bestätigen such. Nie aber vollens
durch Handlungen bestätigt.
Da mag dieser Jesus noch so liebevoll und verzeihend, die Geschichte
der Kriege, Massaker und Menschheitskatastrophen beliebig klar,
überdeutlich und lehrreich sein, über das Besprechen hinauszukommen
und dementsprechend zu handeln,- es gelingt nur in Einzelfällen.
Satistisch irrelevant geringen Einzelfällen der Wahrhaftigkeit.
Idealisten belächelnd, sich verständnisvoll gegenüber der sog.
"Weltverbesserung" äussernd; die Besten der körperlich
Ausgewachsenen dieser Spezies bieten solche Begegnungen an.
Weit öfter sind es Ignoranz und agressive Ablehnungshandlungen,
die den äusseren Rahmen der sozialen Umfelder bestimmen, innerhalb
derer das Menschenwesen langsam seinen Verstand, bzw. sein Vertrauen
zu seinem ursprünglich gesundem Urteil verliert.
Missbraucht und gequält als Kleinkind und/oder beim Heranwachsen, ob dies
eine körperlich ritualisierte Komponente hatte, dabei Körperöffnungen
traktiert, Handlungen bzw. Duldungen erzwungen, oder Prügel,
Tötungsversuche enthalten waren, ob man von Seiten der Erzieher
auf dies alles "verzichtend" n u r pschischen Terror anzuwenden,
oder eine der unzähligen Mischvarianten zwischen Beidem bevorzugte,
macht am vorläufigen Ende dieser Sozialisierung nur "designerische"
Unterschiede. Man spielt mit Form, Farbe und anderen Merkmalen der
Brandmale, mit deren Zahl, Plazierung und Erkennbarkeit von aussen.
Vielfach ist da der Zwang, der Zwang zu vergessen.
Verneinung der Stigmata in realitäswirksamer Weise
versucht jeder. Nach diesem Misserfolg, der eine Unzahl von
Bankrotterklärungen beinhaltet, denn die ekelerregende Ähnlichkeit
zwischen Opfer und Täter im Sinne der Vorstellungen hinsichtlich der
Ausführung der Rachetaten drängt sich unweigerlich auf, bleibt nur
der Weg der Kosmetik. Einer Kosmetik, die im besten Falle nach aussen
UND INNEN hin perfekt sein sollte. Alles abdeckend.
Normalität vorgaukelnd.
Welche Normalität? Wo ist die Norm? Woher diese Vorstellung? - Die
Bemassungen, Höhe, Breite und Tiefe in dieser dreidimensionalen Welt?
Die erlernten Regelwerke sind nicht mehr aufrechtzuerhalten als etwas,
das ausgeführt werden kann, bzw. auch nur sollte. Zu gross, zu
fundamental ist der Block der Widersprüche, gemauert aus eignenen
Erlebensbausteinen, zementiert mit tiefsten Gefühlen, immer noch läuft
die Mischmahscine, dreht sich die Trommel, in der die eigenen Tränen
gemischt werden mit dem Abschaum, der Schicht, die man nie wieder
abwaschen kann. Das ist nur zu spüren.
Woher also Normen?
W I E das bestimmen, was Andere, was man selbst wahrnehmen und wissen,
wie man sich miteilen möchte?
Nichtvorhandene Reife, das Feststecken im Sumpf, die sehr schlichte
Tatsache, dass der Ertrinkende nach allem greift, erlaubt den Schluss,
dass es uns in diesem Augenblick ziemlich egal ist. Und damit das
Ausschlussprinzip zum Tragen kommt.
Alles,- nur N I C H T das.
Dass es hier um permanentes Makeup mit lebenslanger Halbwertzeit geht,
mag später deutlich werden. Jetzt meistens nicht.
Eilig aufgetragen, begleitet vom unbändigen Hunger nach Schmerzfreiheit
und Sedierung, grosszügig eingesetzt, um ja alles zu erwischen und
möglichst sicher zu sein, entstehen die inneren Haftanstalten des
Vergessens. Zelle für Zelle, Trakt für Trakt, Gebäude nach Gebäude,
Land um Land, Staat um Staat,- schliesslich alles umfassend, das zu
diesem Zeitpunkt greifbar ist.
Auch hier wieder Zufälligkeit. Oder Fügung zu Nennendes?
Etwas Vergessen kehrt immer ein.
Menschenwesen sind nicht gut darin, in solchen Notlagen zu handeln.
Schon garnicht qualifiziert, sich vor diesen Handlungen zu entscheiden.
So entstehen Persönlichkeiten.
Unverstanden von anderen Persönlichkeiten.
Unverstanden von sich selbst.
Vergessen von sich selbst.
In einer Gesellschaft der Amnesierten.
Urteile über Realität entstehen, generieren sich immer neu.
Annahmen über eigene Fähigkeiten des Lernens, des Umsetzen von
Erlerntem.
Dass die Entscheidung dazu, Erlerntes bestimmter Arten, das gewisse
Merkmale enthält, d i e ist dies N I C H T umzusetzen, dem
keine eigene Realität zu verleihen, ist und bleibt vergessen.
Kann erinnert werden, in Hypnose, unter der Einfluss von Drogen oder
überwältigender Stimuli von aussen: Doch,- was soll's?
Ist Widerruf möglich in dieser Hinsicht?
Können die frühen Urteile, die manche Psychos "Imprinting Expiriences"
oder "frühe Prägungen" oder sonstwie etikettieren, tatsächlich
gelöscht, überschrieben, durch Anderes