Donnerstag, 13. Februar 2014
Das ist eins für Teilzeitbuddhisten, für Leute wie mich, für Möchtegern-Nacktsurfer, für Leute wie mich, und natürlich für Dich, weil Du morgen Geburtstag hast!
Selbstverständlich bin‘s ich wieder, denn wer sonst käme auf die bescheuerte Idee mit Ohrenschmerzen Worte aus sich herauszupressen. Ich bin wie eine Scheißzahnpastatube, die glauben will, dass in ihr, in ihren Eingeweiden, flüssiges Gold und sowas wie die „Bestätigung des Richtigseins“ auf Dich wartet. Mein Glauben rinnt mit dem Rest meiner glühend-zuckenden, halb erledigten Nerven über die Hälfte meines Gesichts, von dem ich mehr als einmal glaubte, dass ein Kaninchen drin wohnt, oder Stecknadeln und Notizzettel. Was wollte ich sagen? Etwas von Schwertlilien und Seneca, oder war es Ovid? – Der Irre, der von seinem LSD-Trip nicht mehr herunter kam, redet seit 20 Jahren nichts anderes… Unwichtig. Oder doch wichtig, weil resident und ganz oben im Speicher ansässig, resistent, sich festfressend und überaus erwünschter, als manche Normalität. Ich kühle mein Ohr und mein Gesicht mit Eis, und der Schmerz weicht zurück, wie ein getretener Hund. Aber er kehrt zurück, sofort wieder, nach der Schrecksekunde, wie ein „Mehr“, eine Rotte, ein ganzes Rudel Wölfe. Und er schnappt nach mir, schnappt und erwischt sein Teil an meinem schuldigen Fleisch, meinem Tribut an die Erbsünde, an die ich nur an ungeraden Tagen zwischen 6 und 9 Uhr glaube. Die Schwertlilien wieder, ja die Schwertlilien; ich weiß verdammt nochmal im Moment nicht mal genau, wie die Dinger aussehen. Aber ich erinnere mich an das Gesicht dieses Typen, dieses jungen Mannes mit Vollbart, der kurz zuvor im Topmanagement eines Chemiekonzerns war, bevor er auf seinem Trip hängenblieb. So fiebrig, so erhitzt, so glänzende, huschende, fliehende und gleichzeitig sehnsüchtige braune Augen, wie ich sie seitdem nie mehr sah. Und er redete und er redete, redete immer das Gleiche, von Schwertlilien und irgendwelchen Altertumshoschis; seine Worte drehten sich wie wild im Kreis, so dass es einem schwindlig wurde. Helfen konnte man nicht, selbst wenn man blieb und zuhörte. Er brabbelte einfach weiter, ohne Unterlass, auch wenn man ging. Warum ich Dir das erzähle? Ob das eine gute Geburtstagsgeschichte ist? – Sagen wir, dass wir die Geschichte, die verpisste Kultur oder irgendeinen metallischen Hilfsmanitu darüber entscheiden lassen, was meinst du? Ich hab keine Ahnung, was aus dem Typ wurde, ob er je wieder runter kam, oder heute nach von den Schwertlilien labert. Ich glaube weder das Eine, noch das Andere. Für mich hängt der Typ in so einem Quantenzustand irgendwo in den Unwahrscheinlichkeiten fest und ich habe das Gefühl, dass es ihm gut dort geht, dass das irgendwie das Beste ist. Nicht sehr realistisch? Ich bitte Dich! Manchmal wählen die Leute auf sehr verrückte, bizarre Weise einen Ausweg in sowas wie Freiheit. Das weiß ich aus eigener Erfahrung. Sicher. Sehr sicher. Vielleicht war das der einzige Weg für ihn raus aus der Tretmühle und den schmierigen Geschäftemachereien, dem Mord an der Umwelt, kommenden Generationen und so weiter und so fort… Vielleicht hatte er ein Gewissen. Vielleicht, und vielleicht war er so weit, sich an einen besseren Ort zurückzuziehen, zu den Schwertlilien, wieder vielleicht. Mir gefällt der Gedanke, dass es seine innere Wahl war und nicht der Stoff, das armselige Rauschgift. Wenn er nichts war in seinem Wahn, wo war er doch beeindruckend. Unaufhaltsam. Energisch. Ambitioniert. Entschieden, ja entschieden.
Gott, oder wen man sonst dafür haftbar oder verantwortlich machen könnte, die letzte Instanz möge uns eine Unwahrscheinlichkeit geben, die unser Gewissen nicht drückt, sonst…
Sonst fangen wir vielleicht an zu brabbeln, zu brabbeln von unseren Schwertlilien!

Happy Birthday, my Love. God bless You!