Donnerstag, 26. Dezember 2013
Etwas ist Kunst, wenn Gott Dich dadurch berührt.
Es ist die einzige Art, in der Gott Sterbliches wirklich
sich fühlen, sich annähernd verstehen lassen kann.
Und dieses Verstehen ist den Bedingungen der Sterblichkeit
sich anpassend, eine Kinderhand voller Sand, entnommem
aus einem endlosen Strand, - in eine kleine, sinnvermittelnd
fassbare Form eingebracht.
Was damit verstanden wird, im besten Falle, ist, daß Gott Dich
selbst versteht und jeden Augenblick, jedes Stück aller, auch
eingeschränktester und vergänglicher Wirklichkeit, mit Dir teilt;
in Liebe und äußerstem Respekt.
Wahrhaftige Kunst befreit wirkungsvoll und dauerhaft von aller
anmassenden Mühe, nach einem Zugang sterblicher Ratio in Wesen
und Handeln Gottes zu streben; so lässt sie auch jene zerstörerische
Überheblichkeit vergehen, eigene Formulierungen und Entwürfe
Gottes zu verfolgen.
Kunst wirft nicht zurück, beschränkt weder auf klassen-, bildungs-
oder deterministische Modelle wie Zugehörigkeiten jedweder Art,
noch setzt sie mehr voraus, als es die Offenheit der Augen der Kinder
ist, die Gottes Wunder in jedem Augenblick sichtbar macht.

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Mittwoch, 25. Dezember 2013
Smiling Elk
Ja, wirklich?
Glauben wir das Alles?
Fressen wir das Alles?
Das glaubt IHR doch wirklich nicht, oder?
Dass Ihr uns dazu bringen könnt, so zu tun als ob.
D a s vielleicht. Eine Zeit.
Eine Zeit, die vergeht.
A b l ä u f t.
Vielleicht schon bald.

Ihr versucht uns den Rest zu geben mit Benzinpreisen,
TV-Spots, Schlankheitsrezepten, Schönheitsidealen
und der ganzen Moral, auf die IHR jeden Tag, jede
Stunde einen gigantischen Scheisshaufen aus Korruption,
Versagen, Unfähigkeit und dem Fehlen jeder sozialen
Kompetenz setzt?

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Montag, 23. Dezember 2013
Das leere Klavier
Das leere Klavier war nicht wirklich leer, nicht im eigentlichen Sinne, denn es war alles vorhanden, was in einem voll funktionsfähigen Klavier der Marke „Hermannsdörfer“ vorhanden sein mußte, um ein Klavier zu sein; also einem
Tasteninstrument, das Laute erzeugte.

Nur die letzte der genannten Eigenschaften, das Erzeugen von Lauten, die fehlte diesem Klavier und machte es so zu dem Klavier, das sich Erwin Wollemüller schon immer gewünscht hatte.

Bei der Versteigerung, zu der Wollemüller seinem untrüglichen Gefühl einem Elfmeter entgegen gefunden hatte, wurde das leere Klavier unter der Nummer 97 und ziemlich am Schluß angeboten.
Auch dem Aktionator fehlten die Worte, so richtig zu beschreiben, was dieses Objekt kaufenswert machte. Und so sagte er, das wäre nun endlich ein Klavier, das einem nicht die Nerven raubt und Lärm macht, weil garantiert kein Ton herauskommt.
Die Garantiezeit betrug genau 14 Tage.

Aber Wollemüller, von von seinen Freunden auch „Wullie“ genannt, Mittelhalbfeldstopperstürmer und Dauerinhaber des Weltrekordes im Gewinnen,
wußte auf den ersten Blick, daß er nun sein Musikinstrument gefunden hatte und erstand es schließlich für 73 Deutsche Mark plus der üblichen Nebenkosten und Lieferung.

Wollemüllers Fortschritte in der Kunst des Klavierspielens waren ebenso phantastisch wie seine SambaWamba-Läufe auf Schalke, wenn er die Menge der Begeisterten zum Kochen brachte, die Gegner ratlos machte und in die tiefsten Abgründe jener Selbstzweifel und Depressionen trieb, die gewöhnlich mit Selbstmord endeten.

Eine Mark Fuffzig im Antiquariat für die gebrauchte Ausgabe einer Betriebsanleitung für sein neues Instrument reichten aus, um es dem Autodidatkten und Universalgenie Wollemüller zu ermöglichen, die Grenzen des technisch Erreichbaren im Klavierspiel zu überschreiten und neue Maßstäbe zu setzen. Und es blieb sein Geheimnis, daß er nun alles gleichzeitig rückwärts und vorwärst spielen konnte, weil es ja niemand hörte und er als wahrer Gentleman auch nicht darüber sprach.

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